Ein Radiobeitrag über uns im Radio Free FM aus dem Sommer 2017 (knapp 50 Minuten): >Radio-Interview<
Das Selbstverständnis gibt aber auch einen guten Überblick:

Selbstverständnis vom Kollektiv 26 – Autonome Gruppe Ulm

Es gibt eine Reihe von Missständen, an denen wir uns stören und die wir überwinden wollen. Diese möchten wir im Folgenden aufzählen: So ist den meisten wohl bewusst, dass Konkurrenz ein essentieller Aspekt in unserer Gesellschaft ist. Vor allem in der Geschäftswelt dominieren der stetige Wettkampf und das Streben nach Erfolg, was oft sogar mit dem Streben nach Glück gleichgesetzt wird. Dies impliziert jedoch den Misserfolg eines anderen.

Dass der Ursprung dieser Konkurrenz jedoch in der herrschenden Wirtschaftsordnung liegt, muss man sich dabei bewusst machen.

Dieses Wirtschaftssystem basiert auf der Logik, dass es Menschen gibt, welche sich die Mittel zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zugänglich machen können (sie haben genug Geld); und sich diesen Zugang absichern. Die anderen sind allerdings davon ausgeschlossen und können nur begrenzt ihre Bedürfnisse befriedigen.

Durch die Besitzlosigkeit sind die Personen dazu gezwungen, ihre Arbeitskraft feilzubieten und gegeneinander zu konkurrieren, um an die notwendigen Mittel zum Leben zu kommen. Sie müssen einen Teil ihrer Arbeit ohne Gegenwert abgeben, da sie sonst den Wettkampf verlieren würden. Der Arbeitgeber ist aufgrund seiner Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern dazu gezwungen, den Arbeiter mit dem niedrigsten Lohn bzw. dem größten Profitversprechen einzustellen.

Um diesen Zustand zu ermöglichen ist Herrschaft notwendig, welche zwar als bürokratisch wahrgenommen wird, in ihrer Form aber Gewalt ist. Jene äußert sich zum Beispiel im offen formulierten Gewaltmonopol. Diese Herrschaft wird durch Nationalstaaten erstellt, welche ebenfalls im Wettkampf zueinander stehen. Es ist die Aufgabe des (bürgerlichen) Staats dafür zu sorgen, dass die Produktion innerhalb seines Territoriums funktioniert, da er nur so sein eigenes Überleben sichern und genügend Steuern einnehmen kann. Dazu ist es zum Einen notwendig Aufstände im Inneren zu bekämpfen, was mittels Repression auf der einen und Sozialgesetzgebungen auf der anderen Seite bewerkstelligt wird. Außerdem muss er die internationale Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen, um das Abwandern großer Konzerne zu verhindern. Der Staat konkurriert mit anderen Staaten.

Um die nötigen Rohstoffe zu (für die Firmen) annehmbaren Preisen bereitstellen zu können, muss er außenpolitisch aktiv werden, um beispielsweise Handelsrouten zu schützen (Somalia) oder den Abbau der Rohstoffe zu ermöglichen. Die Folge sind Militäreinsätze, Kriege und Armut weiter Bevölkerungsschichten.

Stagniert die Wirtschaft beispielsweise auf Grund von Überproduktion, wird dies oft als Argument genommen, um die bereits genannte Sozialgesetzgebung zu beschneiden. Das wird generell auch als „den Gürtel enger schnallen“ verstanden. Spitzen sich soziale Widersprüche in einer Nation zu, kann es zum Ruf nach einem starken Staat kommen, bis hin zu den Forderungen nach einem autoritären Staat wie z.B. dem Faschismus. Der Staat wird hier fälschlicherweise als Vertreter der eigenen Interessen verstanden, dessen Macht man sich bedienen könne.

Wie wir gesehen haben, ist es nicht das Ziel der Konkurrenz nach innen und außen – manifestiert im Nationalstaat – „ein gutes Leben für alle“ zu schaffen. Dies sehen wir allerdings als notwendiges Ziel und Ideal gesellschaftlicher Organisation an. Um es zu erreichen muss die Wurzel des Problems, nämlich das Konkurrenzverhältnis, verstanden und angegriffen werden. Dem Wettkampf setzen wir eine Produktion in Kooperation und nach Bedürfnissen entgegen. Gegen oberflächliche und symptombekämpfende Lösungsansätze verwehren wir uns, da diese nicht zielführend sind.

Damit ist Kritik gemeint, die zum Beispiel darauf abzielt, Banker als das Übel der Welt darzustellen. Oder die Forderung nach ein bisschen mehr Mitbestimmung, ein wenig mehr Sozialleistung in einem sonst gleichbleibenden wirtschaftlichen und damit auch politischen System. Auch das Konstrukt Volk ist höchstens dazu geeignet Personen auszuschließen und Sündenböcke zu finden, keineswegs aber um die Ursache der Probleme zu beseitigen.

Gegen diese Missstände organisieren wir uns, wir wollen lebenswertere Zustände schaffen, indem wir durch Aufklärungsarbeit bei möglichst Vielen ein Bewusstsein für diese Umstände hervorrufen. Vor allem möchten wir aber auch uns selber weiterentwickeln. Dazu gehört ein stetiger Reflexionsprozess, Theoriearbeit in Form von Vorträgen, Workshops etc.

Auch direkte Aktionen, welche unseren Handlungsspielraum erweitern sollen, gehören zu unserem Selbstverständnis. Dies können Demonstrationen, aber auch spontane und kreative Aktionen sein.

Aus diesen Gründen haben wir uns organisiert, um unsere Kräfte zu bündeln und ein Handeln möglich zu machen.

Organisiert auch ihr euch gegen Ausbeutung, Autoritäten und Faschismus,

Kollektiv.26 – Frühjahr 2016